Pferdeklinik Barkhof
Dr. med. vet. Heinz Jaugstetter

Siemensstrasse 4
D-27367 Sottrum-Barkhof

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Fax: +49 (0) 4264 83669-29


Geschäftszeiten:

Klinik
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INTENSIVÜBERWACHUNG VON FOHLEN

Eine 24-Stunden-Intensivüberwachung ist bei einem erkrankten Fohlen häufig unumgänglich. Die eingehende Allgemeinuntersuchung mit Überprüfung und Aufzeichnung der Vitalwerte mindestens alle 4 Stunden ist in jedem Fall notwenig.

Erkrankte Fohlen, bei denen eine Schwächung des Immunsystems vorliegt, erhalten von uns eine Plasmatransfusion, welche die nötigen Abwehrstoffe enthält.
Eine Schwächung des Immunsystems, welche durch eine zu geringe Aufnahme von Kolostrum (Biestmilch) bedingt sein kann, stellen wir mit Hilfe eines speziellen Tests (Snap-Test) fest.
Das auf Verträglichkeit getestete Plasma wird direkt nach der Gewinnung und Aufbereitung transfundiert.
Sollte das Fohlen keine Milch von der Mutter aufnehmen, bekommt es von uns stündlich rund um die Uhr einen Milchersatz.
Zur Kreislaufunterstützung erhält das Fohlen bei Bedarf Flüssigkeits- und Elektrolytinfusionen.
Alle weiteren Medikamente, v.a. solche zum Schutz der empfindlichen Magenschleimhaut des Fohlens, verabreichen wir rund um die Uhr.

Zusätzlich wird bei neugeborenen Fohlen alle 8 Stunden eine Nabeldesinfektion durchgeführt. Sollte der Impfstatus der Mutterstute unbekannt oder der passive Immunschutz unzureichend sein, verabreichen wir Tetanusserum.

Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Diagnostik ist die Laboruntersuchung. Direkt nach Ankunft des Fohlens und in regelmäßigen Abständen erstellen wir ein großes Blutbild, um eine Infektion rechtzeitig zu erkennen bzw. deren Verlauf einzuschätzen. Zusätzlich bestimmen wir alle notwendigen Stoffwechselparameter direkt vor Ort.

Sollte das Fohlen sehr schwach sein und viel liegen, so sind regelmäßiges Wenden und physiotherapeutische Übungen zur Stimulation von Haut und Gliedmaßen unbedingt notwendig.

KARDIOLOGIE

Zur Erkennung von Herzerkrankungen ist eine ausführliche kardiologische Diagnostik unumgänglich.

Allgemeine Untersuchung:

Bei der klinischen Allgemeinuntersuchung wird insbesondere auf Veränderungen der Herz-Kreislaufparameter (Puls, kapillare Rückfüllungszeit, Schleimhäute, Auskultationsbefunde etc.) geachtet. Herzgeräusche werden nach Lautstärke, Herzphase (systolisch/diastolisch), Punktum Maximum und der Dauer (holo-, früh-, spät-, systolisch/diastolisch) beurteilt.

Elektrokardiographische Untersuchung (EKG):

Eine elektrokardiographische Untersuchung wird in Ruhe sowie während und nach einer angemessenen Belastung (Longe, Laufband, Reiten) durchgeführt, um festuzustellen, ob Herzrhythmusstörungen vorliegen und wann sie auftreten. Darüber hinaus liefert der Erholungspuls (heart rate recovery) Informationen über die Herzfunktion und den Trainingszustand.
Bei gezielten Fragestellungen kann die Durchführung eines Langzeit-EKGs (24 Stunden) wertvolle Informationen liefern, um lediglich partiell auftretende Arrhythmien aufzudecken und die Herzfrequenzvariabilität (heart rate variability) zu beurteilen.

Auskultation des Herzens
Elektrokardiographische Untersuchung
EKG-Gerät

KOLIKEN

Akute Koliken sind immer als Notfall anzusehen und erfordern schnelles Handeln.

Die klinische Untersuchung beginnt mit einer gründlichen Allgemeinuntersuchung. Um Informationen über die Kreislauffunktionen zu erhalten, wird das Herz mittels Stethoskop abgehört (auskultiert) und der Puls gefühlt, werden die Konjunktiven beurteilt und die Kapillarfüllungszeit bestimmt. Das Ziehen einer Hautfalte gibt Auskunft über den Flüssigkeitshaushalt des Pferdes.
Durch eine Auskultation des Abdomens werden die Darmgeräusche in den einzelnen Quadranten in ihrer Frequenz und Qualität beurteilt. Der Klang bzw. die Abwesenheit von Darmgeräuschen geben erste Hinweise auf die Kolikform und somit auf den Schweregrad.
Um genauere Informationen über Art und Schweregrad der Kolik zu erhalten, führen wir anschließend eine rektale Untersuchung durch. So können z.B. Verstopfungen, Darmverschlüsse, Aufgasungen und Darmverlagerungen festgestellt werden.
Danach schieben wir eine Nasenschlundsonde, um bei einer eventuell bestehenden Magenüberladung Abhilfe zu schaffen. Größere Mengen an Reflux sind ein relativ sicheres Zeichen für einen Ileus (Darmverschluss).
Zusätzlich wird umgehend eine Labordiagnostik eingeleitet, die weiteren Aufschluss über den Zustand Ihres Pferdes gibt.

Konservative Therapie:

Wir führen in der Pferdeklinik Barkhof eine konservative Therapie mit 24-Stunden-Intensivüberwachung durch. Ihr Pferd erhält die je nach Art und Schweregrad der Kolik notwendigen Medikamente.

Bei einer sehr starken Obstipation (Verstopfung) erfolgt eine Hyperinfusionstherapie. Hierfür werden dem Patienten innerhalb von 3 Stunden 30 Liter isotone Kochsalzlösung infundiert. Es erfolgen venöse Blutprobenentnahmen zu Beginn, nach 15 Litern und nach 25 Litern verabreichter Infusionslösung. Ziel dieser Therapie ist es, den Darminhalt aufzuweichen und so eine Passage des Speisebreis zu gewährleisten, um die Verstopfung zu lösen.

Bei mittelgradiger Obstipation geben wir Ihrem Pferd per Nasenschlundsonde einmal täglich Öl und Glaubersalz ein. Eine Infusionstherapie wird nach Bedarf bei Austrocknung, Störungen im Säure-Base-Haushalt oder bei Elektrolytimbalancen zusätzlich durchgeführt.

Bei Verdacht auf Magengeschwüre, die sich durch leichte bis schwere Koliken nach Futteraufnahme, Zähneknirschen, häufiges Gähnen oder Flähmen ankündigen, nehmen wir eine Magenspiegelung zur genauen Diagnostik vor. Hierfür wird das Pferd zunächst sediert, bevor ein Gastroskop über die Nase bis in den Magen eingeführt wird. Die Speiseröhre, die Magenschleimhaut und sogar der erste Abschnitt des Dünndarms können so beurteilt werden. Die Therapie von Magengeschwüren erfolgt dann mit einem Protonenpumpenblocker, welcher die Säuresekretion im Magen minimiert und eine Abheilung der Geschwüre ermöglicht.

Verschiedene Kolikursachen - bis hin zu Tumoren in der Bauchhöhle - lassen sich mittels Ultraschall bestimmen. Der Abdomenschall (Ultraschall des Bauchraumes) ist daher ein wichtiges diagnostisches Mittel. Wird vermehrt Bauchhöhlenflüssigkeit festgestellt, kann das Abdomen unter Ultraschallkontrolle punktiert und die Flüssigkeit untersucht werden. Beim Abdomenschall können auch Organe des Bauchraumes wie Leber, Milz und Nieren genau beurteilt werden. So können zahlreiche Erkrankungen wie Nierensteinleider, Zysten oder Tumore festgestellt bzw. ausgeschlossen werden.

Pulsmessung an der Arteria facialis
Niere im transabdominalen Ultraschall

NARKOSEMANAGEMENT

Pferd in Allgemeinanästhesie

In der Pferdeklinik Barkhof legen wir besonderen Wert auf ein optimales Narkosemanagement. Da es sich bei den meisten Operationen um geplante Eingriffe handelt, nehmen wir uns bereits am Vortag Zeit für eine ausgiebige klinische Untersuchung Ihres Pferdes und fertigen routinemäßig ein Blutbild an. Zusätzlich zu den normalen Blutparametern bestimmen wir die Nieren- und Muskelwerte, und wir nehmen arterielles Blut für eine Blutgasanalyse, um Informationen über die Sauerstoffsättigung des Blutes zu erhalten. Sollten wir bei einem Parameter eine Abweichung feststellen, so haben wir nun noch die Möglichkeit, Ihr Pferd vor der Operation zu therapieren. Ist eine längerfristige Therapie angezeigt, wird die Operation verschoben. So ist es uns möglich, das OP-Risiko auf ein Minimum zu reduzieren.

Am Tag der Operation erhält das Pferd bereits eine Stunde vor OP-Beginn Schmerzmittel, um so die benötigte Menge des Narkotikums zu reduzieren. Direkt vor der Operation wird das Pferd dann ein weiteres Mal klinisch untersucht und zusätzlich ein EKG angefertigt.
Die Narkoseerhaltung erfolgt bei uns ausschließlich durch eine Inhalation mit Isofluran, das über ein spezielles Gerät genau dosiert wird. Dadurch verläuft auch die Aufwachphase so kurz und schonend wie möglich.
Während der gesamten Dauer der OP wird der Patient intensiv überwacht: Vitalfunktionen, die Tiefe der Narkose und das Herz-Kreislaufsystem (EKG und Arterienkatheter) werden ständig kontrolliert. Ihr Pferd wird die gesamte Zeit infundiert und kann bei Bedarf alle Notfallmedikamente schnell und unproblematisch über den Venenkatheter erhalten.

Auch die Aufstehphase ist für uns besonders wichtig. Darum lassen wir Ihr Pferd in dieser Zeit nicht alleine. Sobald das Pferd die ersten Aufstehversuche unternimmt, wird es von unserem Fachpersonal über lange Stricke am Halfter und am Schweif unterstützt. So werden zu heftige Bewegungen und häufiges Niederstürzen vermieden, wird das Verletzungsrisiko minimiert. Unsere Mitarbeiter bleiben bei Ihrem Pferd, bis es wieder vollständig wach ist. Erst dann wird es zurück in eine mit frischen Spänen eingestreute Box gebracht und hier weiter überwacht.
Am Tag nach der Operation fertigen wir ein weiteres Blutbild einschließlich klinischer Chemie an. So können wir postoperative Komplikationen frühzeitig erkennen und ihnen entgegen steuern.

 

PULMOLOGIE

Diagnostik:

Zunächst wird die Lunge auskultatorisch in Ruhe und nach der Belastung untersucht. Nach vorübergehender Verschließung der Nüstern kann die Lunge während einer tiefen Inspiration untersucht werden.

Mit Hilfe der Blutgasuntersuchung können die Sauerstoffsättigung und der Kohlendioxidgehalt im arteriellen Blut gemessen werden. Durch eine spezielle Rechenformel kann daraus der Lungenfunktionswert ermittelt und mit dem Referenzwert verglichen werden. Er gibt Aussage über die Ventilation der Lunge.

Weiterhin können Teile der Lunge mit Hilfe eines Videoendoskops untersucht werden. Dazu führt man die am Ende eines biegsamen Schlauches befindliche Kamera durch eine Nüster über den Kehlkopf in die Luftröhre ein und kann nun krankhafte Veränderungen bildlich darstellen (z.B. gerötete Schleimhäute, Schleimansammlung etc.).

 

Darstellung einer Luftröhre mit zähem Schleim
Hochgradige Schleimsekretion aus einer Lungenseite

Hyperinfusionstherapie:
Im Rahmen einiger Lungenerkrankungen (v.a. COB = chronisch–obstruktive Bronchitis) kommt es zu einer Ansammlung von viskösem Schleim in der Luftröhre. Dieser ist häufig so zäh, dass er nicht mehr mit Hilfe von Medikamenten gelöst werden kann.
Durch die Infusion einer großen Flüssigkeitsmenge (Hyperinfusion) an 4 aufeinander folgenden Tagen entsteht ein „Überdruck“ im Gefäßsystem. Durch diese Hypervolämie kommt es zum passiven Übertritt von Flüssigkeit in die Alveolen. Diese verflüssigt das Sekret, so dass es nun leichter kopfwärts transportiert und abgehustet werden kann.


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